Viele Informationen, viel Papier, zu viel Zukunft

3D Brille

Tom war gestern auf der didacta. Er hat seine Tüte kurzzeitig gegen eine 3D-Brille getauscht und in die Zukunft geguckt. Das digitale Klassenzimmer sah dann auch ganz stylisch aus. Letztlich konnte er sich nicht so sehr  begeistern wie seine Lehrer. Die Pädagogen sind ja schließlich auch die Zielgruppe dieser weltweit größten Bildungsmesse.

Als Schüler gehörte Tom da eher zur Minderheit. Obwohl er die Messestände im Technikbereich wirklich gut fand. Dort konnte er mal sehen wie gearbeitet wird. Es ist ja eher selten heutzutage, dass man mal jemanden mit einem Werkzeug in der Hand sieht. Sonst gucken ja alle immer auf den Monitor oder Flatscreen. Was dann auch an fast allen Messeständen zu beobachten war. Tom hat sich die digitalen Schulbücher, virtuellen Universitäten und multimedialen Nachhilfetools angeguckt und etwas wehmütig an die Spickzettel in seinen Schulbüchern gedacht. In der Zukunft müssen die Schüler wohl auch das Spicken digitalisieren. Aber das funktioniert, da  ist er sich sicher. Schließlich haben unsere Schüler ja große Vorbilder, sogar aus dem Wissenschaftsbereich. Ansonsten haben die Verlage wirklich eine Menge Papier nach Köln geschleppt. Tom dachte ja immer, es gibt ein Schulbuch für ein Fach und eine Jahrgangsstufe. Aber jetzt sieht es ja fast so aus, als könnte sich  jeder Schüler sein persönliches Schulbuch bestellen. Also er könnte sich da nicht entscheiden. Aber das muss er ja auch nicht. Er blickt ja schon in die Zukunft. Obwohl, das mit der Zukunft geht ihm seit heute ziemlich auf die Nerven.
Starte Deine Zukunft. Gib Deiner Zukunft eine Chance. Deine Zukunftschancen. Lust auf Zukunft…“
Nein, das ist ihm zuviel Zukunft. Und überhaupt, er weiß gar nicht, was ihn in dieser Zukunft erwartet. Er will auch keine Zukunft. Er will jetzt etwas tun. Nur was? Was soll er nur machen? Soll er studieren oder eine Ausbildung beginnen? Er weiß es auch nach diesem Messebesuch nicht. Tom setzt sich wieder seine Tüte auf den Kopf.Tom

Zu viel Informationen – zu viel Papier – zu viel Zukunft.