Nachwuchsgewinnung ist keine Shoppingtour

Geld

 

 

 

 

 

Suche Azubi biete Auto, gern auch Smartphone oder Laptop. Heute nachzulesen auf Karriere.de. Nur vor den bekannten Ergo-Angeboten schreckt man bei der Azubi-Anwerbung noch zurück. Diese durch Siemens erprobten, zwar spaßbringenden aber wenig nachwuchsfördernden, Incentives behält man sich für die nächste Karrierestufe der Auszubildenden, wahrscheinlich für den Einzug ins Management vor.
Ansonsten ist das Konzept schlüssig. Wir motivieren unsere Kinder mit Geld zum Lernen und kaufen sie uns dann nach Schulabschluss als Lehrling. Wie gut den Schülern der Schulabschluss tatsächlich gelungen ist, ist nicht so wichtig, wir haben ja keine Wahl mehr. Das geben wir den Bewerbern gern auch mit auf den Weg. Also, wer da nicht zugreift, hat von seinen Eltern nichts gelernt. Das Gute an der Erziehung ist ja, dass man genau das bekommt, was man erzogen und ausgebildet hat. Man kann nur hoffen, dass wir unseren Kindern doch noch ein bisschen soziale Verantwortung vorgelebt haben, denn es gibt Berufsgruppen, denen es gar nicht gut geht. Dieser Umstand kann auch unseren Schülern nicht verborgen bleiben. In Berlin zumindest streiken die Lehrer in dieser Woche. Dass zeitgleich die Abiturprüfungen laufen, ist für die Schüler nur von Vorteil. Damit steigt die Chance, beim Schummeln nicht erwischt zu werden. Das wiederum haben sie ja schon von ihrer ehemaligen Bildungsministerin gelernt. Dass viele Lehrer über die Sommermonate in Hartz IV entlassen werden, hat aber damit nichts zu tun, das liegt nur am fehlenden Geld und ist seit Jahren üblich.
Vielleicht gründen die gut situierten Lehrlinge zukünftig eine Initiative zur Unterstützung ihrer ehemaligen Lehrer. Sie könnten zum Beispiel den ausgedienten Laptop oder das zweite Smartphone an einen Lehrer spenden. Der könnte dann die Zeit des Streiks oder der unfreiwilligen Sommerpause nutzen, um sich mit der Technik vertraut zu machen. Die Schüler geben bestimmt auch gern Nachhilfe. Einen Nachteil hat die Sache aber, denn die Schüler werden dafür sicher Geld verlangen. Dazu haben wir sie jedenfalls erzogen. Eigentlich brauchen wir gar keine Studien zur „Generation Y“ – wir müssen nur mal darüber nachdenken, was wir an unseren Nachwuchs weiter geben. Falls Sie dennoch daran  Interesse haben, schreiben Sie mir, ich komme gern in Ihr Unternehmen, in Ihre Schule oder in Ihren Elternkreis. Sie werden sehen, unsere Jugend ist besser als ihr Ruf, die wollen sogar eine sinnvolle Arbeit.

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